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Die hohen Grundstückspreise, die stark gestiegenen Baukosten und die immer noch hohen Zinsen am Kapitalmarkt haben vor allem im gewerblichen Bereich zum Stillstand des Wohnungsneubaus geführt.
Damit gehen mehrere Probleme einher, wie Klaus Baringer, Verbandsobmann der gemeinnützigen Bauvereinigungen (GBVs), im Rahmen des heurigen Verbandstages in Tulln warnt: „Wir wissen, dass der stagnierende Wohnbau zum Ersten ein Problem für den Wohnungsbedarf der wachsenden österreichischen Bevölkerung ist." Es tun sich aber noch weitere Probleme auf. „Diese Entwicklungen haben in der Folge zu einer Rezession der österreichischen Bauwirtschaft geführt, was wiederum eine große Bedrohung für den österreichischen Arbeitsmarkt ist. Die Bauwirtschaft mit ihren mehr als 300.000 Beschäftigten ist ein wichtiger Faktor für Österreichs Konjunktur“, mahnt Baringer.
„Die GBVs können daher ein wesentlicher Hebel der Problembewältigung sein, allerdings bedarf es dafür dringend entsprechender Maßnahmen und wesentlicher Veränderungen der Voraussetzungen“, so Klaus Baringer. Denn eine Investitionsoffensive in den geförderten Wohnbau hat nicht nur eine antizyklische, sondern auch eine arbeitsplatzsichernde Wirkung und positive Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekte, die weit über den Bausektor hinausgehen. „Die Gemeinnützigen sind ein starker Partner der Politik, ein zuverlässiger Auftraggeber der Bauwirtschaft, ein sicherer Partner der Banken und ein maßgeblicher Garant des Wohlstandes und der Zufriedenheit der österreichischen Bevölkerung“, unterstreicht Obmannstellvertreter Herwig Pernsteiner.
Aus der Sicht des Verbandes ist das von der österreichischen Bundesregierung beschlossene Wohnbaupaket ein erster wichtiger Schritt zur Entspannung der schwierigen Situation auf dem Wohnungsmarkt. Es müssen aber auch Schritte gesetzt werden über kurzfristige Maßnahmen hinaus, damit der gemeinnützige Wohnbau mit langfristiger Beteiligung des Bundes auch in der Struktur wieder fit wird.
2022 betrugen die Einnahmen der Länder aus Darlehensrückflüssen und Wohnbauförderungsbeiträgen 2,7 Milliarden Euro. Die Ausgaben für die Wohnbauförderung beliefen sich dem gegenüber auf lediglich 1,9 Milliarden Euro. „Gemessen am Bruttoinlandsprodukt lagen wir Anfang der 1990er Jahre bei 1,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, aktuell stehen wir nur mehr bei 0,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes“, analysiert Klaus Baringer. „Eine Wiedereinführung der Zweckbindung der Wohnbauförderung ist daher das Gebot der Stunde“.
Neben den konjunkturstabilisierenden Auswirkungen des gemeinnützigen Wohnbaus wirken sich mehr leistbare Wohnungen auch positiv auf die Kaufkraft der Bevölkerung aus. „In einer GBV-Wohnung bleibt den Bewohner:innen mehr im Börsl. Denn GBV-Mietwohnungen sind um 3 Euro pro m² günstiger als jene von Privaten, wie die Statistik Austria im neuesten Mikrozensus erhoben hat“, so Herwig Pernsteiner. Trotz stärkerer Preisanstiege in allen Sektoren zeigt sich, dass der Preisvorteil von gemeinnützigen Mietwohnungen auch im letzten Jahr gestiegen ist. Somit erspart sich ein Haushalt im gemeinnützigen Sektor bei gleicher Wohnfläche durchschnittlich 2.500 Euro pro Jahr gegenüber Haushalten im privaten Sektor.