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Auch wenn mittlerweile mehr oder weniger europaweit gelockert wurde und damit auch der Einzelhandel wieder wie gewohnt geöffnet hat, hat die Coronapandemie Nachwehen zur Folge. Laut einer aktuellen Einschätzung des Einzelhandelsdienstleisters Regioplan würden nunmehr bestehende Mietverträge nachverhandelt, bei Neuverträgen sind die erzielbaren Mieten rückläufig. Insgesamt beziffert Regioplan den Mietentgang für Shoppingcenter und Retailparks mit rund 260 Millionen Euro. Mit dramatischen Folgen für Vermieter: Diese gerieten in Turbulenzen, da sie Kredite bedienen und den Erwartungen von Investoren entsprechen müssen. Nicht wenige Endinvestoren ziehen sich aus dieser Assetklasse zurück, nachgefragt bleiben allein Fachmarktzentren mit hohem Lebensmittelanteil. Samantha Riepl, CEO von Regioplan, rechnet mit einer jährlichen Flächenreduktion von drei bis vier Prozent.

Für 2020 wurden laut Regioplan etwa 15-17 Prozent aller Mietverträge im Retailbereich temporär, plus ca. 12 Prozent nachhaltig, reduziert. Aktuelle Befragungen und Erhebungen in Österreich und Deutschland zeigen übereinstimmend, dass im Jahr 2020 etwa 75 Prozent der Shopping Mall- und Retail Park-Betreiber einen oder mehrere Mietverträge nach unten angepasst haben. Im Gegenzug zu einer Reduktion wurde jedoch die Vertragsdauer in vielen Fällen verlängert.

Auch bei den Neuabschlüssen zeigten sich die Auswirkungen der Pandemie dramatisch: Im vergangenen Jahr sank die Zahl der neuen Mietabschlüsse im Retailbereich um 64 Prozent gegenüber 2019, insgesamt wurden nur etwa 1.400 neue Mietverträge (mit einer Vertragsdauer von mehr als einem Jahr) im Einzelhandel abgeschlossen. Die durchschnittliche Verkaufsfläche pro Geschäftslokal bei den Neuvermietungen sank um etwa 8 Prozent, ebenso ging die vereinbarte Mindestvertragsdauer leicht zurück. Insbesondere bei Shopping Malls und Retail Parks sank zudem der Anteil an umsatzabhängigen Mietvereinbarungen signifikant. Rund 20 Prozent bestünden Verträge mit umsatzabhängiger Miete, die branchenabhängig mitunter 17 Prozent des Umsatzes betragen kann. Dadurch, dass während der Lockdowns aber kaum bis kein Umsatz erzielt werden könnte, haben sich für Shoppingcenter Einbußen von 85 Millionen Euro ergeben.